Thursday, 27 August 2009

Erster Blogeintrag

Es sind schon 15 Tage vergangen, seitdem ich vom Frankfurter Flughafen nach Indonesien geflogen bin. Entschuldigt bitte diesen verspäteten Blogeintrag, ich war sehr beschäftigt.

Als wir (ich und die fünf anderen Freiwilligen) in Jakarta ankamen, trafen wir auch schon den Gründer und Leiter meiner Gastorganisation (genannt Dejavato Foundation Indonesia). Er heißt Ketut und ist ein sehr angenehmer Mann. Er nahm uns mit zu seinem Onkel, wo wir für ein zehn-tägiges Orientierungsseminar verweilten. Dort wurde uns die Sprache vorgestellt und uns wurde gesagt, was man tun und was man lassen sollte.

Nun wurden wir alle an unsere verschiedenen Gastfamilien verteilt. Meine eigene Gastfamilie ist sehr freundlich, obwohl es mit der Kommunikation noch hinkt (sie spricht nur Javanesisch und Indonesisch). Doch das ist kein Problem, unser Nachbar spricht ein Wenig Englisch und hilft mir mit der Verständigung. Mein Gastvater ist ein Tischler und fährt jeden Werktag nach Jepara während meine Gastmutter zuhause bleibt. Ich habe auch zwei Gastgeschwister, einen Jungen von 11 und ein Mädchen von 6 Jahren. Die Sprachhürde ist für mich aber nur eine weitere Anregung Indonesisch zu erlernen. Ich komme schon gut voran, obwohl ich erst zwei Wochen hier bin. Trotz der Sprachschwierigkeiten fühle ich mich hier wohl.

Ich fange am besten mit dem Essen an. Obwohl ich gestehen muss, dass wir unser erstes Mahl in Indonesien im KFC im Jakarta Flughafen zu uns genommen haben (statt mit Pommes wird das Fleisch hier mit Reis serviert), habe ich seitdem schon einige Erfahrungen in der Indonesischen Küche gesammelt. Der Reis zum Beispiel wird hier überall gegessen, zu fast jeder Mahlzeit dreimal am Tag. Brot oder Kartoffeln werden hier kaum gegessen, dennoch kann man sie in den modernen (mit leistungsstarken Klimaanlagen ausgestatteten!) Supermärkten kaufen.

Eine weitere Eigenschaft des Indonesischen Essens ist seine Süße. Der Tee ist süß, die Saucen sind süß, die Limonaden sind (sehr) süß und der Kaffee ist süß. Die rauchenden Freiwilligen erzählen mir, dass sogar die Zigaretten süß schmecken (anscheinend werden die Filter mit Nelkenextrakt gesüßt).

Neben der Süße ist die Schärfe eine Eigenschaft des Essens, die sich besonders bemerkbar macht. Geschnittene grüne und rote Pepperoni werden den meisten Gerichten beigelegt. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, aber mittlerweile gefällt mir das brennede Gefühl im Mund, das sich langsam über den Rachen, in die Kehle ausbreitet.

Käse wird hier auch kaum gegessen. Stattdessen verzehrt man einen Ersatz aus Soyabohnen. Dieser nennt sich „Tempe“ und wird aus gegärten Soyabohnen hergestellt. Die Masse wird gepresst, in mundgerechte Stücke geschnitten und dann mit Öl und Soyasauce gebraten. Es schmeckt wie eine Mischung aus Tofu und Ziegenkäse, jedoch ist die Konsistenz recht zäh. Mit der richtigen Sauce kann es richtig lecker schmecken, genau wie die Früchte hier.

Die Früchte sind so frisch, dass sie immer saftig sind. Bananen, Ananas und Wassermelonen schmecken hier viel besser weil sie vor Ort angebaut und nicht importiert werden. Was mir momentan am besten schmeckt: „Nasi Goreng Ayam“ (gebratener Reis mit Huhn) und „Juice Jambu“ (der Saft einer Frucht die nach milder Birne schmeckt).

Es gibt hier auch eine Frucht, der eine besondere Anerkennung gebührt: die Durian. Von außen sieht sie aus, also ob sie einmal an einem mittelalterlichen Streitkolben hing. Sie hat eine cremegelbe Farbe und ihre prickelige Haut ist hart genug um einem die Finger zu stechen. Selbst ungepellt verbreitet sie den scharfen süßen Geruch der sie berühmt gemacht hat. Ihr Geschmack ist wie ihr Duft, blos dreimal so stark. Die Konsistenz des Fruchtfleisches ist wie die eines warmen Eisbechers und es fühlt sich glitschig im Mund an. Leider musste ich die Indonesen um mich herum enttäuschen als ich, nach einigen Bissen, bekanntgab, dass ich die Durian nicht mochte. In Indonesien gilt sie als Delikatesse. Ich werde es mit der Durian in sechs Monaten nocheinmal versuchen, vielleicht mag ich sie dann.

Der Verkehr ist heir auch total anders als in Deutschland. Man fährt auf der linken Seite der Straße und meistens wird nicht durch Markierungen und Straßenschilder für Ordnung gesorgt. Stattdessen scheint das Prinzip „alles geht“ zu herschen. Dennoch finde ich den Verkehr sehr sicher, da es sich hier kein Fahrer leisten kann, nicht auf die Straße und seine eigene Situation zu achten.

Der Motorroller ist hier das Transportmittel Nummer Eins. Ich würde das Verhältniss zwischen Autos und Motorädern auf 1:5 schätzen; man findet sie auf jeder Straße. Alles kann hier per Motorroller transportiert werden, seien es sperrige Lasten, zerbrechliche Glasplatten oder 3-4 Familienmitglieder.

Ich möchte auch meine Lieblingsentdeckung hier in Indonesien erwähnen: den Sarong. Der Sarong ist ein traditionelles Indonesisches Kleidungsstück. Er besteht aus einer Stoffröhre, die von Indonesischen Männern wie ein Kleid getragen wird. Er ist auch ein religöses Gewand, alle muslimischen Männer tragen einen Sarong zum Gebet. Ich mag ihn wegen seiner luftigen Bequemlichkeit und seines stylischem Looks. Ich habe schon drei gekauft: einen grünen, einen blauen und einen in Lila. Doch der Sarong ist mehr als nur ein Männerkleid: im Schneidersitz schützt er den Unterköper optimal vor Mückenstichen, nachts wird er als offener Schlafsack verwendet und an heißen Tagen kann man sich einen zweiten Sarong um den Kopf und Oberkörper wickeln, um diese vor der Sonne zu schützen.

Ich würde mich auch gerne zur Atmosphäre hier äußern. Der muslimische Ruf zum Gebet ist hier so üblich wie die Kirchglocken an einem deutschen Sonntag Morgen. Fünf mal am Tag (um 4:30, 12:00, 15:00, 18:00 und um 19:00 Uhr) rufen die Muezine aus den unzähligen Moscheen durch Lautsprecher auf Arabisch zum Gebet auf. Kurz danach kann man die Männer (mit Hut und Sarong) und die Frauen (in langen weißen Gebetsschleiern) auf den Straßen von den Mushollahs zurückkehren sehen.

Die Insekten sind hier auch größer als in Deutschland und ich habe hier schon wunderschöne Schmetterlinge und Libellen gesehen.

Neben den Insekten währen dann auch noch die Geckos: kleine eidechsenähnliche Kreaturen die man überall auffindet. Ihre Füße haben sich so entwickelt, dass sie in der Lage sind überall zu haften, sei es auf Holz, Glas, Stein, Rinde oder Kacheln. Sie kleben an den Wänden, den Decken und selbst den Dächern jedes Hauses.

Die Gerüche sind ein weiterer Aspekt den ich nicht vergessen sollte. Ihre Vielfalt lässt sich am besten durch eine Motorradfahrt durch mein Dorf erleben. In die Nüstern fließt einem da eine Mischung aus beißenden Abgasen, süßen Früchten, rauchiger Holzkohle, durchschlagendem Benzin, die Dünste brennenden Mülls und der Duft der Essensstände.

Das wars auch schon mit dem ersten Blogeintrag. Ich freue mich darauf mehr über meine Projektschule zu erfahren (als ich hier in Jepara ankam war sie aus Respekt zum Ramadananfang vier Tage lang geschlossen) und die Schüler kennenzulernen. Mir geht es gut und ich siedle mich erfolgreich ein.

Ich würde mich freuen, von euch zu höhren. Kommentare könnt ihr ja auf diesem Blog hinterlassen.

Bis dann erstmal
Arnaud

2 comments:

  1. hey arnaud:)
    hört sich ja echt prima an was bei euch so los ist..jaja ist halt alles anders...
    hier auf der andern seite der Erdkugel ist auch alles bestens...unser Seminar war sehr cool:)..ich glaub meine Bolgadresse hast du ja
    viele liebe Grüße aus Costa Rica und Pura Vida
    Felix

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  2. hey,
    ein sehr schön geschriebener Blogeintrag von dir! Und ein sehr interessanter noch dazu!
    Ganz liebe Grüße aus Porto Alegre!

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